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FlĂŒchtige organische Verbindungen
 
In der Innenraumluft befindet sich eine Vielzahl flĂŒchtiger organischer Verbindungen (FOV), welche nicht nur im angelsĂ€chsischen Sprachgebiet meist VOC (Volatile Organic Compounds) genannt wird. Weiter kann man die sehr flĂŒchtigen organischen Verbindungen (Very Volatile Organic Compounds, VVOC) und die schwerflĂŒchtigen organischen Verbindungen (Semivolatile Organic Compounds, SVOC) unterscheiden. Die Summe der Konzentrationen sĂ€mtlicher VOC werden mit dem TVOC-Wert (Total Volatile Organic Compounds) zusammengefasst.

Quellen von VOC im Innenraum sind verschiedenste Materialien des Baus und der Innenausstattung von GebĂ€uden, zum Beispiel Wand-, Fußboden- und Deckenmaterialien, sowie Farben, Lacke, Klebstoffe, Textilien der Raumausstattung und Möbel. Weitere wichtige Emissionsquellen im Innenraum sind Pflege-, Reinigungs- und Hobbyprodukte. Außerdem können VOC auch aus der Außenluft in die GebĂ€ude eindringen.

Von der Vielzahl der möglichen Stoffe kommen folgende hĂ€ufig vor: Aliphaten (n-Decan, n-Undecan), Aromaten (Benzol, Toluol, Naphthalin), Halogenverbindungen (1,1,1-Trichlorethan, Trichlorethen, Tetrachlorethen, p-Dichlorbenzol), Terpene (a-Pinen, ß-Pinen, Limonen), Alkohole und Carbonylverbindungen (Ethylacetat, n-Butylacetat).

Mit steigender Temperatur erhöht sich die Menge der VOC-Emissionen. Höhere Konzentrationen in WohnrÀumen findet man bei Renovierungen sowie Arbeiten mit Lösungsmitteln. Der Lösemittelgehalt in den einzelnen Produkten, welche im Haushalt verwendet werden ist sehr unterschiedlich und kann bis zu 90 Gewichtsprozent (Rasierwasser und Nagelpflegemittel) erreichen.

Akut gesundheitsgefÀhrdende Konzentrationen von VOC können auftreten im Nahbereich der Anwendung von Reinigungs- und Pflegesprays. Als besonders problematisch haben sich in dieser Hinsicht LederimprÀgniersprays (Treibgas und Lösungsmittel) sowie Backofensprays (u.a. Lösungsmittel aber auch Alkalien [Natronlauge, Ammoniak], Tenside, Silikonverbindungen) erwiesen. VOC entstehen hÀufig auch bei der Anwendung von lösungsmittelhaltigen Heimwerkerprodukten. Sie sind z.B. in Klebstoffen, Farben und Abbeizmitteln vorhanden (aliphatische Kohlenwasserstoffe [Benzine], aromatische Kohlenwasserstoffe [z.B. Toluol und Xylol], Carbonylverbindungen [z.B. Butyl-, Methyl- und Isobutylacetat], halogenierte Kohlenwasserstoffe [z.B. Dichlormethan]).

Die Symptome einer Lösemittelvergiftung können unter anderem SchwindelgefĂŒhl, Benommenheit, MĂŒdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen sein. Es gilt daher die allgemeine Empfehlung, möglichst lösungsmittelfreie oder zumindest lösungsmittelarme Heimwerkerprodukte zu verwenden. Falls das nicht möglich ist, sollte zumindest fĂŒr eine ausreichende BelĂŒftung der RĂ€ume gesorgt werden. Besonders hohe Belastungen treten bei lösungsmittelhaltigen Voranstrichen und Bodenbelagsklebstoffen auf.

Grundlage der Bewertung der VOC ist die Extrapolation von der Einzelstofftoxikologie, wie sie sich z. B. im MAK-Wert findet, auf die Toxikologie von Gemischen mit z. B. im VerhÀltnis zum MAK-Wert niedrigen Einzelstoffkonzentrationen. Dieses erfolgt in der Regel durch Summenformeln. Emissionen aus Bauprodukten kommen jedoch meist als Gemische geringer Gesamtkonzentrationen (einige 100 Mikrogramm je m3) vor.

Im Innenraum wird die Situation dadurch kompliziert, dass es meist eine Vielzahl von VOC-Quellen gibt und es fast unmöglich erscheint, den Anteil einer einzelnen Quelle zu ermitteln. Auch aus diesem Grunde ist eine generelle Minimierung der Emission erforderlich.

Bestehen keine erkennbaren besonderen Quellen in der Wohnung oder deren NĂ€he, dann ĂŒbersteigt die VOC-Konzentration nur in seltenen FĂ€llen Werte von mehr als 1 mg. Nach Reinigungsarbeiten sowie nach dem Einbringen neuer EinrichtungsgegenstĂ€nde können die VOC um den Faktor 10 und mehr ansteigen. Die Spanne der Auswirkungen der VOC auf den menschlichen Organismus kann von sensorischen Wahrnehmungen in niedrigster Konzentration bis zu toxischen Langzeiteffekten bei hoher Konzentration reichen. Problematisch ist, dass es sich bei einem Teil der bei niedrigen Konzentrationen angegebenen Effekte um Sinneswahrnehmungen oder andere Wirkungen handelt, die sich einer ÜberprĂŒfung im Tierversuch weitgehend oder vollstĂ€ndig entziehen.

Bei den epidemiologischen Untersuchungen im Rahmen der Erfahrung des Sick-Building-Syndroms konnten keine klaren Aussagen hinsichtlich der Beschwerdebilder durch VOC-Gemische erzielt werden. Es ist jedoch anzunehmen, dass mit zunehmender TVOC-Konzentration auch die Beschwerden zunehmen. Synergistische Effekte sind wegen der Vielzahl der möglichen Stoffkombinationen bisher noch völlig ungenĂŒgend untersucht.

Die Innenraumluft enthĂ€lt stets viele verschiedene organische Verbindungen, es stehen jedoch Richtwerte nur fĂŒr relativ wenige Einzelverunreinigungen zur VerfĂŒgung. Deshalb hat die Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte der IRK/AOLG MaßstĂ€be zur Beurteilung von flĂŒchtigen organischen Verbindungen in der InnenraumluftqualitĂ€t mit Hilfe der Gesamtzahl der in der Innenraumluft enthaltenen flĂŒchtigen organischen Verbindungen (TVOC-Werte) erarbeitet. Hierbei werden zur hygienischen EinschĂ€tzung nur Konzentrationsbereiche angegeben. FĂŒr die Bewertung von TVOC-Werten wurden fĂŒnf Stufen festgelegt und fĂŒr die einzelnen Stufen bestimmte Maßnahmen empfohlen:
 

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Zuletzt aktualisiert: 05.04.2022
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