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Reetdachsterben
english: degradation of thatched reed roofs
 
Als Reetdachsterben bezeichnet man ein Phänomen, das seit einigen Jahren bei Reetdächern in Norddeutschland beobachtet wird. Diese scheinen in einigen Fällen nur noch eine geringe Lebensdauer aufzuweisen. Während die normale Lebensdauer eines Reetdaches oft mit 40 bis 60 Jahren angesetzt wird, haben nun manche Reetdächer nur noch eine Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren. Auch alte Dächer sind betroffen. Es findet ein Zersetzungsprozess statt, bei dem sich die Reethalme regelrecht auflösen. Die öffentliche Diskussion um das Reetdachsterben hatte ihren Höhepunkt in den Jahren 2008 und 2009 und scheint mittlerweile etwas zur Ruhe gekommen zu sein. Dies kommt der Reetdachbranche zugute, die durch das Problem teilweise erhebliche Umsatzeinbußen hatte.

Die Ursachen für das Reetdachsterben sind umstritten. Während einige bauphysikalische Ursachen vermuten – erhöhte Feuchtigkeit durch zunehmende Abdichtung der Häuser, ungenügende Hinterlüftung des Daches bei Einbau einer Dampfsperre von Innen etc. – sehen andere die Gründe eher in einem Befall mit Mikroorganismen, insbesondere mit einem Weißfäulepilz, der sich in Gesellschaft von Moosen und Feuchtigkeit besonders wohl fühlt und die Struktur des Reets schädigt. Auch unreif geerntetes Reet aus dem Ausland oder Reet aus mit Industrieabwässern verseuchten Gewässern in China werden als Schadensursache vermutet. Nur etwa zehn Prozent des hierzulande verkauften Reets stammen aus Deutschland. Manche vermuteten auch eine Schädigung durch eine Stickstoffbelastung der Landluft infolge von Massentierhaltung. Möglich ist auch ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren.

Neutrale Zahlen zum Ausmaß des Reetdachsterbens sind ebensowenig bekannt wie wissenschaftlich untermauerte Beweise für die tatsächlichen Ursachen. Dass Pilze die Fähigkeit besitzen, unter bestimmten Umweltbedingungen organisches Material zu zersetzen, ist an sich nicht neu.

Wer ein Reetdachhaus erwerben oder sein Haus mit Reet decken möchte, sollte sich über dieses Problem genauer informieren. Eine Neueindeckung ist mit hohen Kosten verbunden. Beim Kauf bestehender Häuser empfiehlt sich eine Begutachtung durch einen Fachmann, der beurteilen kann, ob das Reetdach gesund ist. Bei Neubauten sollte darauf geachtet werden, dass nur zertifiziertes Reet verwendet und ein erfahrener, mit guten Referenzen ausgestatteter Fachbetrieb beauftragt wird. Der Vertrag sollte keine ungewöhnlichen Haftungsausschlüsse hinsichtlich der Materialqualität enthalten. Reetdächer mit kleineren Schäden können auch punktuell repariert werden. Auch eine Pflege kann die Lebensdauer des Daches verlängern. Beim Entfernen von Moss sollte ein Verfahren gewählt werden, das die einzelnen Reethalme nicht aufreißen und beschädigen kann. Eine Behandlung mit Kupfer kann in gewissem Rahmen die Vermehrung von schädlichen Mikroorganismen bremsen. Bei Neubauten sind wichtige Details zu beachten – etwa eine ausreichende Hinterlüftung des Daches. Eine steile Dachneigung kommt der Lebensdauer zugute, da das Wasser besser abläuft. Reetdächer sollten nicht bei Regen und bevorzugt im Sommer gedeckt werden. Von der Verwendung von Fungiziden – chemischen Pilzbekämpfungsmitteln – wird meist abgeraten, da diese nur in wasserlöslicher Form existieren und schnell vom Regen abgewaschen werden. Im Übrigen sind sie auch für Menschen schädlich.
 
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Zuletzt aktualisiert: 26.11.2018
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